Handschriftentraining

„Ich kann deine Schrift nicht lesen – leider ungenügend!“ war unter der Englischarbeit zu lesen.
Der 15jährige Paul war sauer. Wie kommt es zu solchen höchst unangenehmen Erfahrungen?

Ein Blick auf die Entwicklung der Handschrift macht es deutlich:

Die Kinder beginnen schon im Kindergartenalter, in großen Druckbuchstaben ihren Namen und andere einfache Wörter zu „malen“. In der Schule wird an diese frühen Schreibversuche angeknüpft und die Kinder lernen, dass es nicht nur „große“ und „kleine“ Buchstaben, sondern auch ganz unterschiedliche Schriften gibt.

An deutschen Schulen werden zurzeit drei verschiedene sog. verbundene Schriften gelehrt. In der Regel gelingt es allen Kindern, eine Schreibschrift zu lernen. Ausnahmen sind einige wenige Kindern, deren Entwicklung verzögert ist oder bei denen die Feinmotorik und die Koordination von Auge und Hand nicht ausreichend ausreifen konnten.

Mittlerweile gehen viele Schulen dazu über, es den Kindern zu überlassen, ob sie in Druck- oder Schreibschrift schreiben wollen. Für das Schreiben als psychomotorischer Prozess bleibt kaum noch Zeit. Auch lernen viele Kinder erst am Ende der dritten oder im Laufe der vierten Klasse, mit Füllhalter bzw. Tintenroller zu schreiben. In der weiterführenden Schule ist aber das Schreiben mit Bleistift nicht mehr erlaubt, hier muss mit  dokumentenechtem Stift geschrieben werden.

Die Routine im handschriftlichen Schreiben fehlt vielen Kindern beim Übergang in die weiterführende Schule. Gleichzeitig nimmt die Menge dessen, was sie schreiben müssen, ab dem 5. Schuljahr deutlich zu. Ohne automatisierte Schreibmotorik geraten die Kinder bzw. Jugendlichen dann so unter Druck, dass die Lesbarkeit der Schrift nachlässt.

Trotz zunehmender Digitalisierung der schriftlichen Kommunikation gibt es immer noch viele Anlässe im Alltag, in denen handschriftliche Notizen und Texte unerlässlich bzw. einfach zeitsparender sind. In späteren Jahren gilt die Handschrift auch heute noch als Ausdruck der Persönlichkeit. Ziel unseres Handschriftentrainings ist daher nicht die Aneignung eines Schriftideals, sondern das Finden der persönlichen Schrift. Gleichzeitig soll sie als Form der Kommunikation nutzbar werden – also für andere lesbar sein.

Das Training beinhaltet:

  • Feststellung der konkreten Schwierigkeiten beim Schreiben
  • Ermittlung des passenden Stiftes
  • Korrektur der Schreib- und Stifthaltung
  • Aufbau der Übungen: vom Grobmotorischen zum Feinmotorischen

Pro Woche findet eine Trainingseinheit statt. Übungen zu Hause vertiefen und automatisieren die neu erworbenen „Schreibspuren“. In der Regel dauert das Training 6-8 Monate.